In den Vermittlungsbedingungen stehen die grundlegenden Haltungsbedingungen, in den folgenden Ausführungen wird die Haltung noch ausführlicher beschrieben und auch ein paar zusätzliche Anreize gegeben 🙂

Das Gehege sollte ein Mindestmaß von 100x50x50cm haben. Ebenen erhöhen nicht die Grundfläche. Mögliche und empfehlenswerte Gehegetypen sind:

  • (undichte) Aquarien (siehe erstes Bild oben) z.B. von Ebay Kleinanzeigen, Sphock, Facebookgruppe: Hamsterflohmarkt
  • Vorteile
    • günstig
    • hygienisch (nach Parasitenbefall leicht zu reinigen)
    • Streu fliegt nicht durch die ganze Wohnung 🙂
    • Hamster und seine Gänge von allen Seiten zu sehen
    • optisch ansprechend
    • hoch einstreubar
    • kein Gitternagen möglich
    • schallisolierter dadurch weckt man die Kleinen nicht so schnell auf
  • Nachteile/Hinweise
    • Zugriff nur von oben, zu Hamster wird in “Greifvogelperspektive” Kontakt aufgenommen
    • hohes Gewicht
    • Gitterdeckel für ausreichende Belüftung muss gebaut werden
    • für ausreichende Zirkulation sollte Aquarium nicht mehr als 10 cm hoch als breit sein
    • im Sommer z.T. Hitzestau
Eigenbauten aus furnierten Holz/OSB:
  • Vorteile
    • alle Maße und Optik individuell anpassbar
    • kann günstig sein, muss aber nicht
    • hohe Streukante möglich
    • Schiebetüren vorn für leichte Handhabung
    • “Hamsterschrank” für mehrere Hamster ist möglich
  • Nachteile/Hinweise
    • handwerkliches Geschick erforderlich
    • bei ungenügender Planung und vielen Wünschen kann es relativ teuer werden
    • auf Belüftung achten! (mind. 50% der Fläche der Grundfläche)
    • Holz sollte furniert sein, sonst lässt es sich bei Parasitenbefall schlecht reinigen

Das sechseckige Fichtenholzgehege würde ich nicht empfehlen, weil:

  • es sich durch die Form schwer einrichten lässt
  • es geradeso über Mindestmaß ist
  • schlecht verarbeitet ist (dünnes Holz –> Durchknabbergefahr, getackerte Ebenen)
  • bei Einrichtung wie in der Aufbauanleitung zu große Fallhöhe und zu wenig Einstreuhöhe vorhanden ist
  • es einen überteuerter Preis hat.

Falls man doch den Wunsch hat sich dieses Gehege anzuschaffen, kann ich nur empfehlen, es ähnlich wie ich damals einzurichten, indem man die mittlere Etage als obere einsetzt, die Front umdreht und hoch einstreut (bei mir ca. 25 cm). Das Mehrkammernhaus war unter der Granitplatte, auf der das Laufrad stand, verborgen. Allerdings sollte das Sandbad größer sein als in meinem Beispielbild, bei mir war es nur ein paar Wochen für den Übergang so eingerichtet. Auch zwei oder drei Verstecke mehr sind immer empfehlenswert 🙂

Empfehlenswerte Gehege sind:

NICHT artgerechte Gehege sind:

  1. ungeeignet, unter Mindestmaß:
  • Skyline Nagarium Marrakesch (die größere Ausführung mit den Maßen: 96x47x38 cm)

2. Gehege, die die Mindestmaße erfüllen, aber aufgrund des Gitters ungeeignet sind:

  • Skyline Hoppelgarden (verschiedene Größen erhältlich)
  • Petgard San Marino

3. ungeeignet, da unter Mindestmaß und mit Gitter:

  • Skyline Nagarium Gobi
  • Dehner Nagervilla Resort, Falco, Rock Resort, Figo usw. (fast alle von Skyline)
  • Skyline Nagerheime
  • Skyline Agadir 100 (gleiche Maße wie Marrakesch, plus Gitteraufsatz)
  • Nagarium Gizmo

4. ungeeignet wegen zu geringer Streukante, Gitter und meist auch unter Mindestmaß:

  • Gitterkäfige mit Plastikwanne

5. ungeeignet wegen mangelnder Belüftung (ist aber nachrüstbar), zu geringer Streukante

  • OSB Gehege für Reptilien
  • Kallaxumbauten (ebenfalls unter Mindestmaß, außer man nimmt die Zwischenwände raus, dann aber kaum noch stabil)

Nur bedingt geeignet sind Ikea Detolf Vitrinen (auf den Rücken gelegt, nicht für Mittelhamster!), weil sie nur knapp 40 cm hoch sind und man somit einen Aufsatz bauen muss. Dieser sollte im besten Fall an den Seiten aus Plexiglas und oben zur Belüftung durchgängig aus nicht erreichbaren Gitter bestehen. Ebenfalls besteht eine Ausbruchsgefahr an den Stahlstreben an den Seiten.

Leider gibt es noch viele andere Gehege, die nicht empfehlenswert sind. Hier habe ich eine kleine Auswahl von Gehegen erstellt, von denen auf den ersten Blick eventuell als artgerecht erscheinen können.

Absolute NO-GO´s sind:

  • Gitterkäfige (Gitterknabbern, klettern daran hoch und lassen sich tief fallen, Beimquetschungen und – brüche durch einklemmen)
  • Nadelholzzubehör, erkennbar an dunkler Rinde und bei hellen Holz an starker Maserung (getackert –> gefährlich beim knabbern, harzt –> kann Backentaschen verkleben, zu kleine Eingänge –> Verletzung mit vollen Backentaschen, mit giftigen lösemittelbasierten Kleber oder Heißklebepistole geklebt)
  • Hamsterwatte (kann Beinchen abschnüren, da reißfest)
  • Stoff, Plastik (außer ggf. artgerechtes Laufrad)
  • Hängebrücken, schwingende Gegenstände (bringt keinen Mehrnutzen, Hamster wird unsicher, ist kurzsichtig, Fallhöhe beachten)
  • Salzlecksteine
  • Vogelsand, Spielzeugsand (beides zu scharfkantig)

Die Einstreuhöhe sollte mindestens 20 cm betragen und am besten aus festgedrückten Sägespänen bestehen. So halten die Gänge am besten. Hanf- , Baumwoll- und Leinstreu kann teilweise angeboten werden, sollte aber nicht die Hauptmenge ausmachen, da darin die Gänge kaum halten. Zusätzlich können Buddelboxen oder Bonbongläser mit Maisspindelgranulat (Krallenpflege), Terrarienerde (z.B. JBL Terra Basis), Blüten- Blattmischungen usw. angeboten werden, sind aber kein Muss. 🙂

Manche Hamster buddeln lange Zeit nicht und fangen z.T. erst ab 30 cm Streuhöhe an. Nach dem Motto: “vorher lohnt nicht ” 😉 Daher ist es falsch zu denken: “Mein Hamster buddelt ja sowieso nicht, da reichen auch 5 cm Streu”. Bis jetzt haben alle Hamster bei mir – auch die verkorksten hihi- nach spätestens ein paar Monaten richtig losgelegt und nutzen teilweise sogar nicht mal mehr das Mehrkammernhaus. Zivana hat sich z.B. 40 cm bis zum Boden gegraben und so ein paar Wochen geschlafen:

Geeignetes Nistmaterial sind z.B. Kapokwolle, Baumwolleinstreu (ist aber oft nicht sehr beliebt) und unbedrucktes, unparfümiertes Klopapier. Letzteres ist bei allen der absolute Renner und zusätzlich auch fast kostenlos 🙂

Es sollte immer ein Mehrkammernhaus mit mindestens zwei Kammern und abnehmbaren Deckel vorhanden sein. So kann man leicht reinschauen und der Futterbunker und die Pipiecke, die auch häufig darin angelegt wird, kontrolliert werden. Es sollte außerdem bodenlos sein, damit der Zwerg von da aus seine Gänge weiter anlegen kann und es nicht zu unhygienisch wird, wenn dann doch hineingepinkelt wird. Das stinkt sonst nach einer Weile … Empfehlenswerte Hersteller sind Knastladen (beste Preis-Leistung), Getzoo, Rodipet und ähnliche. Das Mehrkammernhaus kann auch gut als Stellfläche für das Laufrad fungieren.

Das Laufrad sollte mindestens 25 cm Durchmesser haben. Falls ein Tier wirklich sehr sehr klein geraten ist, reichen auch 20 cm. Die Hauptsache ist, dass das Tier mit geraden Rücken laufen kann. Ein durchgebogener Rücken kann Bandscheibenvorfälle begünstigen, die leider gar nicht mal so selten sind. Ebenfalls sollte es eine geschlossene Lauffläche ohne Sprossen und Streben (gebrochene Beine beim durchrutschen, blutig gelaufene Pfötchen bei Holzsprossen). Ich empfehle die Holzlaufräder mit Kork von Getzoo und Rodipet (bei ebay Kleinanzeigen ab 10 bis 20€ gebraucht erhältlich), da Kork wasserfest ist (Urin ist abwischbar) und dient auch der Krallenpflege. Die Karlie Holzlaufräder sind:

  • häufig laut
  • eiern
  • nicht so leichtgängig
  • bestehen aus Fichtenholz (harzt vor allem nach Ausbacken (nötig nach Tod eines Tieres, gekauften gebrauchten Zubehör oder bei Parasitenbefall, 100° 1h) –> Backentaschen verkleben

Ich gebe zu, dass ich auch Karlie Holzlaufräder habe, die ich vorher sorgfältig auf Harz untersucht habe und nur bei den schwereren Tieren anwende. Leichtere werden durch die fehlende Leichtgängigkeit auch mal gern “weitergeschleudert”. Für Laufradpinkler eignen sich die Wodent Wheel Plastiklaufräder, sie sind artgerecht und auseinanderbaubar, allerdings nur noch gebraucht zu kaufen, da sie nicht mehr hergestellt werden. Auch die Trixie Plastikräder sind in Ordnung, können aber auch einen enormen Lärmpegel haben.

Das Sandbad sollte mindestens 20 cm Durchmesser haben und mind. 5cm tief sein, damit sie auch buddeln können. Ein kleines Versteck darin kann ängstlichen Hamstern Sicherheit vermitteln. Es kann aus Pappelsperrholz und Ponal Holzleim selbst gebaut werden, man kann aber auch Auflaufformen aus Keramik nehmen, um Geld zu sparen. Man kann z.B. auch einen großen Blumentopf nehmen, dann spart man sich sogar die Stelzen 🙂

Mehrere zusätzliche Verstecke (Korkröhren, Keramikverstecke zur Abkühlung für den Sommer usw.) geben dem Hamster Sicherheit. Häufig gibt es den Irrglauben, dass man den Hamster ja dann noch weniger sieht. Genau das Gegenteil ist der Fall. Meine beiden ersten Zuchttiere waren früher sehr zurückgezogen, aber seit Ätna und Äberhardt in ihren neuen Gehegen mit mehr Rückzugsmöglichkeiten sind (siehe “unsere Gehege”), holen sie sich jeden Abend ihr Leckerlie aus der Hand ab 🙂 Ich kann sehr die Trixie Keramikverstecke mit abnehmbaren Dach empfehlen, sie sind sehr beliebt bei den Jungtieren (nur bis zur 6. -8. Woche noch Geschlechtergruppen möglich!):

Alle schweren Gegenstände müssen auf Stelzen, beim Mehrkammernhaus und der Ebene fürs Laufrad reichen 10/12mm Buchenrundstäbe, beim Sandbad (wegen dem Gewicht) sollten es mindestens 14 mm Buchenstelzen sein:

Die Fallhöhe sollte nicht mehr als 15 cm betragen. Hamster sind höhenblind und lassen sich gern fallen, aus Mut oder Dummheit sei dahingestellt… Die Fallhöhe lässt sich z.B. leicht vermeiden, indem man auch das Sandbad auf Stelzen stellt (abgegrenzter Bereich wäre ja auch möglich, wenn genug Buddelfläche übrig bleibt).

Die Durchmesser der Eingänge sollte mindestens 5 cm betragen. Ein Hamster ist zwar schlank und würde entspannt durch ein 3 cm Loch passen, aber er hat dehnbare Backentaschen, die beim Zwerg bis zu 8g , beim Goldhamster (Zivana zeigt es schön auf dem Bild 🙂 ) bis zu 20g Futter transportieren können. So können sie bei zu kleinen Löchern auch einmal hängebleiben und sich schmerzhaft verletzen.

Optional ist noch eine Rennbahn möglich, sie ist gut geeignet um darauf ein Laufrad, Wassernapf, Buddelnäpfe (Bonbongläser auch gut geeignet) und Verstecke zu stellen. So kann der Hamster richtig flitzen und man spart sich viele Stelzen. Optisch macht es auch was her, wenn man sie z.B. mit Serviettentechnik verziert.

Auch eine Watchbox bietet dem Halter süße Einblicke in das Leben eines schlafenden und bunkernden Hamsters:

Zum Thema Haupt-, Frisch- und Erlebnisfutter finden Sie alles unter dem Punkt “Fütterung”.