Zahnfehlstellungen der Incisivi (Schneidezähne) kamen bisher in meiner Zucht bei 1-2 % der Nachzuchten vor. In der Regel betraf es bis auf eine Ausnahme immer männliche Tiere ab 11 bis 12 Monaten Alter. Diese Linien haben wir nach den Rückmeldungen der Adoptanten konsequent von der Zucht ausgeschlossen, damit genetisch bedingte Zahnfehlstellungen ausgeschlossen werden können.
Zahnfehlstellungen (meist sind die Schneidezähne betroffen, Backenzahnprobleme sind sehr selten) können durch verschiedene Ursachen auftreten:
- genetische Gründe:
Der häufigste Grund für eine Fehlstellung der Schneidezähne ist die Brachygnathia superior, eine genetisch bedingte Verkürzung des Oberkiefers, bei dem die unteren Schneidezähne (leicht) vor den oberen stehen. Die oberen können nicht mehr richtig abgenutzt werden und rollen sich Richtung Gaumen ein. In schlimmen Fällen können die oberen Schneidezähne in den Gaumen wachsen, während die unteren Schneidezähne ohne die oberen Incisivi als Antagonist (Gegenspieler) in die Lippe wachsen können und überlang werden. Wir vermuten, dass bei unseren Nachzuchten mit Zahnproblemen der Oberkiefer durch diese „Niedlichkeitszucht“ mit runden Köpfen etwas verkürzt war, sodass die Zähne sich noch einigermaßen gegenseitig abnutzen konnten. Mit ca. 11 / 12 Monaten wuchsen aber die unteren Schneidezähne doch vor die oberen – von da an ging es ganz schnell. Die Tiere bauen körperlich schnell ab und knacken die Körner nicht mehr direkt bei der Fütterung, sondern sammeln alles ausschließlich in den Backentaschen.
2. Fütterungsfehler
Ein Kalziummangel in der Fütterung kann brüchige und/oder lockere Zähne sowie Zahnverfärbungen (wichtig: gesunde Hamsterzähne sind immer gelblich gefärbt) begünstigen.
3. Trauma
Die Zähne können sich durch mechanisch ausgeübte Kräfte auch verschieben lassen, z.B. durch eine schlecht verheilte Kieferfraktur nach einem Stoß bzw. mechanisch starken Druck z.B. beim nicht sachkundigen Festhalten oder durch Hebelwirkungen beim Gitternagen in nicht tiergerechter Haltung.
Symptome:
- Abmagerung
- nasses/verklebtes Fell durch übermäßigen Speichelfluss an Nase, Kinn, Brust & Vorderpfoten
- sind oft schnell bei der Fütterung da, bunkern dann aber nur Futter in den Backentaschen bzw. fressen nur kleine Bestandteile (v.a. ohne Schale) direkt vor Ort
- z.T. Verdauungsstörungen mit kleinen, dunklen Kotballen durch Nährstoffmangel
Diagnose:
- Zuhause: Zähne von vorn und von der Seite anschauen (Tipp: Wattestäbchen oder Spritzeninnenleben einer 1 ml Spritze in Mundwinkel schieben)
- bei/m hamsterkundigen/r Tierärzt/in: Röntgen, um schlimmeres Ausmaß einschätzen zu können
Behandlung:
- Zähne vom hamsterkundiger/ n Tierärzt/in alle 10 Tage bis 10-12 Wochen schleifen lassen. Niemals abknipsen lassen, denn das kann Zahnfissuren (Zahn reißt z.T. bis zur Wurzel ein, dadurch Zahnwurzelabzess) und Zahnbrüche verursachen. Außerdem lässt sich mit dem Knipsen keine physiologische Zahnstellung und -kante herstellen. Bei fachgerechter Kürzung lässt sich z.T. die Zahnfehlstellung sogar verbessern.
- Sehr wahrscheinlich lebenslange Behandlung notwendig!
- Bei ruhigen Tieren braucht man dazu keine Sedation, ansonsten gibt es eine schonende Gasnarkose mit Isofluran.
Zahnprobleme bedürfen immer einer Abklärung bei einem/r hamsterkundigen Tierärzt/in – bitte doktert nicht selbst herum!
Quelle (vereinfacht hier wiedergegeben): Ewringmann, A. & Glöckner, B. (2014). Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus: Diagnostischer Leitfaden und Therapie, 2. überarbeitete Auflage